Lymphödem: Symptome erkennen, Ursachen verstehen und richtig behandeln

Ein Bein wird zunehmend dicker. Ein Arm fühlt sich schwer und gespannt an. Schuhe, Kleidung oder Schmuck sitzen plötzlich enger als früher. Hinter solchen Veränderungen kann ein Lymphödem stecken.

Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphsystem die Flüssigkeit im Gewebe nicht mehr ausreichend abtransportieren kann. Die Folge ist eine zunächst häufig weiche, später zunehmend festere Schwellung. Besonders häufig betroffen sind Arme und Beine – ein Lymphödem kann grundsätzlich jedoch auch an anderen Körperregionen auftreten.

Die gute Nachricht: Ein Lymphödem lässt sich in vielen Fällen sehr gut behandeln und kontrollieren. Entscheidend sind eine fachgerechte Diagnose, die richtige Entstauung und eine konsequent angepasste Kompressionsversorgung.

Was ist ein Lymphödem?

Unser Lymphsystem ist ein wichtiger Teil des Flüssigkeitshaushalts und der Immunabwehr. Die feinen Lymphgefäße nehmen Flüssigkeit, Eiweiße und andere Stoffe aus dem Gewebe auf und transportieren sie über größere Lymphbahnen und Lymphknoten zurück in den Blutkreislauf.

Ist dieses Transportsystem geschädigt oder reicht seine Kapazität nicht mehr aus, verbleibt zunehmend Flüssigkeit im Gewebe.

Es entsteht ein Lymphödem.

Zu Beginn kann die Schwellung noch weich sein und sich beispielsweise nach einer Nachtruhe teilweise zurückbilden. Besteht das Ödem länger, kann sich das Gewebe verändern und verhärten. Deshalb lohnt es sich, bereits erste Anzeichen ernst zu nehmen.

symptome eines Lymphödem

Typische Symptome: Woran erkennt man ein Lymphödem?

Nicht jede Schwellung ist automatisch ein Lymphödem. Einige Merkmale sind jedoch typisch.

Dazu gehören:

  • Schwellung eines Beines, Fußes, Armes oder einer Hand
  • häufig einseitige oder unterschiedlich stark ausgeprägte Schwellungen
  • Schwere- und Spannungsgefühl
  • enger werdende Schuhe, Kleidung, Uhren oder Schmuckstücke
  • zunächst weiches und eindrückbares Gewebe
  • eingeschränkte Beweglichkeit bei stärkerer Schwellung
  • im Verlauf zunehmend festes oder verhärtetes Gewebe
  • Veränderungen der Haut und der Hautfalten
  • Schwellungen an Fußrücken, Zehen, Hand oder Fingern

Ein bekanntes Untersuchungszeichen ist das Stemmer-Zeichen: Lässt sich die Hautfalte beispielsweise über der zweiten Zehe nicht mehr oder nur schwer anheben, kann dies auf ein Lymphödem hinweisen.

Ein positives Stemmer-Zeichen spricht für ein Lymphödem. Ein negatives Zeichen schließt ein Lymphödem jedoch nicht sicher aus.

Primäres und sekundäres Lymphödem

Grundsätzlich werden zwei Formen unterschieden.

Primäres Lymphödem

Beim primären Lymphödem ist das Lymphgefäßsystem von Geburt an nicht vollständig oder anders angelegt. Die Erkrankung kann bereits im Kindesalter auftreten, sich aber auch erst während der Pubertät oder im Erwachsenenalter bemerkbar machen.

Nicht immer besteht deshalb seit der Geburt eine sichtbare Schwellung.

Sekundäres Lymphödem

Das sekundäre Lymphödem entsteht durch eine Schädigung eines zuvor grundsätzlich funktionsfähigen Lymphsystems.

Mögliche Ursachen sind beispielsweise:

  • Operationen
  • Entfernung oder Schädigung von Lymphknoten
  • Bestrahlungen
  • Krebserkrankungen
  • Verletzungen
  • Entzündungen und Infektionen
  • ausgeprägte venöse Erkrankungen
  • starkes Übergewicht als zusätzlicher Belastungsfaktor

Besonders bekannt ist das Armlymphödem nach einer Brustkrebsbehandlung, beispielsweise nach Operationen an den Lymphknoten oder einer Bestrahlung.

Ein Lymphödem kann dabei unmittelbar nach einer Behandlung auftreten – aber auch erst Monate oder Jahre später.

Die Stadien des Lymphödems

Lymphödeme werden nach ihrer Ausprägung in verschiedene Stadien eingeteilt.

Stadium 0 – noch keine sichtbare Schwellung

Das Lymphsystem ist bereits beeinträchtigt, äußerlich ist jedoch noch kein deutliches Ödem erkennbar. Manche Betroffene berichten bereits über ein Spannungs- oder Schweregefühl.

Stadium I – weiches Ödem

Die Schwellung ist noch relativ weich. Druck mit dem Finger kann eine sichtbare Delle hinterlassen. Durch Hochlagern kann sich das Ödem häufig noch deutlich reduzieren.

Stadium II – zunehmende Gewebeveränderung

Die Schwellung bildet sich durch Hochlagern nicht mehr vollständig zurück. Das Gewebe wird fester, weil sich das Unterhautgewebe mit der Zeit verändert.

Stadium III – stark ausgeprägtes Lymphödem

Es bestehen massive Schwellungen und deutliche Veränderungen von Haut und Unterhautgewebe. Die Beweglichkeit kann erheblich eingeschränkt sein.

Je früher ein Lymphödem erkannt und konsequent behandelt wird, desto besser lässt sich eine zunehmende Veränderung des Gewebes vermeiden.

Diagnose: Nicht jede Schwellung ist ein Lymphödem

Geschwollene Beine oder Arme können viele unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb sollte vor einer Behandlung zunächst eine ärztliche Diagnose erfolgen.

Neben einem Lymphödem kommen beispielsweise infrage:

  • Venenerkrankungen
  • Herz- oder Nierenerkrankungen
  • Thrombosen
  • entzündliche Erkrankungen
  • Lipödem
  • Medikamentennebenwirkungen
  • andere Formen von Ödemen

Die Diagnose erfolgt zunächst durch eine ausführliche Krankengeschichte und körperliche Untersuchung.

Dabei werden unter anderem Ort und Ausprägung der Schwellung, Hautbeschaffenheit, Gewebe, Füße oder Hände sowie mögliche vorausgegangene Operationen und Erkrankungen beurteilt.

Ist die Diagnose nicht eindeutig, können ergänzende Untersuchungen wie Ultraschall oder spezielle Verfahren zur Darstellung und Funktionsprüfung des Lymphsystems sinnvoll sein.

Behandlung: Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie

Die Basis der konservativen Lymphödembehandlung ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie – kurz KPE.

Sie besteht nicht aus einer einzelnen Maßnahme. Mehrere Komponenten greifen ineinander:

1. Manuelle Lymphdrainage

Die Manuelle Lymphdrainage – MLD – wird von entsprechend qualifizierten Therapeutinnen und Therapeuten durchgeführt.

Mit speziellen rhythmischen und schonenden Grifftechniken soll der Transport der Lymphflüssigkeit unterstützt werden.

Doch die Lymphdrainage allein reicht bei einem behandlungsbedürftigen Lymphödem meist nicht aus.

Damit das erreichte Ergebnis erhalten bleibt, ist insbesondere die Kompressionstherapie von zentraler Bedeutung.

2. Kompression

Kompression übt von außen kontrollierten Druck auf das Gewebe aus und unterstützt damit die Entstauung und den Erhalt des Behandlungsergebnisses.

In einer intensiven Entstauungsphase können zunächst spezielle Kompressionsverbände eingesetzt werden.

Ist der Umfang weitgehend stabil, folgt die Versorgung mit medizinischen Kompressionsstrümpfen oder anderen individuell angepassten Kompressionsprodukten.

Gerade bei ausgeprägten Lymphödemen kommen häufig flachgestrickte Kompressionsversorgungen zum Einsatz.

Sie werden nach individuellen Maßen gefertigt und können besonders bei deutlichen Umfangsunterschieden, Hautfalten oder besonderen anatomischen Gegebenheiten angepasst werden.

3. Bewegung: Die Muskelpumpe nutzen

Bewegung unterstützt die Wirkung der Kompression.

Beim Gehen und bei anderen geeigneten Bewegungsformen arbeiten die Muskeln gegen die Kompressionsversorgung. Dadurch wird der Flüssigkeitstransport unterstützt.

Geeignet sein können beispielsweise:

  • regelmäßiges Gehen
  • Gymnastik
  • Radfahren
  • Schwimmen
  • Wassergymnastik
  • individuell angepasstes Kraft- und Ausdauertraining

Welche Belastung sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation und möglichen Begleiterkrankungen ab.

4. Hautpflege und Hautschutz

Bei einem Lymphödem benötigt die Haut besondere Aufmerksamkeit.

Durch die Schwellung und Veränderungen des Gewebes kann die Haut anfälliger für Verletzungen und Infektionen werden. Gleichzeitig kann auch die Kompressionsversorgung die Haut stärker beanspruchen.

Deshalb gehören regelmäßige Kontrolle und geeignete Hautpflege zur Behandlung.

Kleine Verletzungen sollten ernst genommen und fachgerecht versorgt werden.

Besonders wichtig: Treten plötzlich Rötung, Überwärmung, Schmerzen und möglicherweise Fieber auf, muss zeitnah ärztliche Hilfe gesucht werden. Ursache kann beispielsweise ein Erysipel – eine bakterielle Hautinfektion – sein.

Magenta mit Kristallen

Warum eine gute Kompressionsversorgung mehr ist als „ein Strumpf“

Entscheidend ist nicht nur, dass Kompression getragen wird.

Entscheidend ist, welche Kompression zu welchem Menschen und zu welchem Ödem passt.

Eine hochwertige Versorgung berücksichtigt beispielsweise:

  • Körperform und Umfang
  • Lokalisation des Ödems
  • Hautfalten und Gewebeverhältnisse
  • Beweglichkeit
  • Alltag und Beruf
  • Fähigkeit zum selbstständigen An- und Ausziehen
  • zusätzliche Beschwerden oder Erkrankungen
  • Erfahrungen mit bisherigen Versorgungen

Je nach Situation können Kniestrümpfe, Schenkelstrümpfe, Strumpfhosen, Zehenkappen, Armstrümpfe, Handschuhe oder weitere Sonderformen erforderlich sein.

Eine Kompressionsversorgung muss wirksam sein – aber sie muss auch im Alltag funktionieren.

Denn eine theoretisch perfekte Versorgung hilft wenig, wenn sie nicht getragen werden kann.

Entstauen und anschließend erhalten

Die Behandlung eines stärker ausgeprägten Lymphödems lässt sich vereinfacht in zwei Aufgaben unterteilen:

Erstens: das Ödem möglichst gut reduzieren.

Hierfür werden je nach Befund Manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbandagierung, Bewegung und Hautpflege miteinander kombiniert.

Zweitens: das erreichte Ergebnis sichern.

Dafür spielt die individuell angepasste medizinische Kompressionsversorgung eine entscheidende Rolle.

Genau an diesem Übergang ist eine gute Abstimmung zwischen Arztpraxis, Physiotherapie und Kompressionsversorgung besonders wichtig.

Lymphödem und Übergewicht

Ein Lymphödem ist nicht einfach die Folge davon, „zu viel zu wiegen“.

Deutliches Übergewicht kann das Lymphsystem jedoch zusätzlich belasten und eine bestehende Erkrankung verschlechtern.

Bei gleichzeitig bestehender Adipositas kann eine nachhaltige Gewichtsreduktion deshalb Bestandteil des Behandlungskonzeptes sein.

Das ersetzt die Lymphödemtherapie nicht – kann sie aber wirkungsvoll unterstützen.

Leben mit einem Lymphödem

Ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Betroffene mit immer stärker werdenden Schwellungen abfinden müssen.

Mit einer guten Behandlung lässt sich häufig sehr viel erreichen:

  • Schwellungen reduzieren
  • Spannungs- und Schweregefühl vermindern
  • Beweglichkeit erhalten oder verbessern
  • Hautkomplikationen vermeiden
  • Fortschreiten der Erkrankung begrenzen
  • mehr Sicherheit und Lebensqualität im Alltag gewinnen

Dabei wird im Laufe der Zeit vor allem eines wichtig: Selbstmanagement.

Wer versteht, warum Kompression, Bewegung und Hautpflege erforderlich sind und frühzeitig auf Veränderungen reagiert, kann selbst wesentlich zum Behandlungserfolg beitragen.

Ihre Kompressionsversorgung bei Käppel Lip&Lymph

Eine gute Lymphödemversorgung beginnt für uns nicht mit der Frage:

„Welche Strumpfgröße brauchen Sie?“

Sondern mit der Frage:

„Welche Versorgung brauchen Sie, damit Kompression in Ihrem Alltag wirklich funktioniert?“

Bei Käppel Lip&Lymph haben wir uns auf die Versorgung von Menschen mit Lip- und Lymphödemen spezialisiert.

Wir nehmen uns Zeit für die Auswahl und Anpassung Ihrer Kompressionsversorgung und berücksichtigen dabei nicht nur Maße, sondern auch Gewebesituation, Beweglichkeit und Ihre persönlichen Anforderungen im Alltag.

Je nach Befund kommen individuell angepasste flachgestrickte Kompressionsversorgungen und ergänzende Versorgungslösungen infrage.

Dabei verstehen wir die Kompressionsversorgung als Teil eines Gesamtkonzeptes: ärztliche Diagnostik, therapeutische Entstauung, Bewegung, Hautpflege und individuell passende Kompression müssen zusammenspielen.

Häufige Fragen zum Lymphödem

Ein chronisches Lymphödem lässt sich in der Regel nicht einfach dauerhaft beseitigen. Durch konsequente Behandlung kann die Schwellung jedoch häufig deutlich reduziert und langfristig kontrolliert werden.

Ob, welche und wie lange eine Kompressionsversorgung erforderlich ist, hängt vom individuellen Befund ab. Bei chronischen Lymphödemen ist Kompression jedoch meist ein zentraler Bestandteil der langfristigen Behandlung.

In der Regel nicht. Die Manuelle Lymphdrainage ist Bestandteil der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie. Besonders wichtig ist die Kombination mit Kompression, Bewegung, Hautpflege und eigenständigem Umgang mit der Erkrankung.

Flachgestrickte Versorgungen lassen sich sehr individuell an unterschiedliche Körperformen und ausgeprägte Umfangsveränderungen anpassen. Sie bieten zudem eine hohe Wandstabilität und eignen sich deshalb besonders für viele lymphologische Versorgungen.

Ob Flach- oder Rundstrick sinnvoll ist, sollte jedoch immer individuell entschieden werden.

Ja. Ein sekundäres Lymphödem kann beispielsweise nach Operationen, Verletzungen, Entfernung von Lymphknoten oder Bestrahlungen entstehen. Zwischen dem auslösenden Ereignis und dem Auftreten eines sichtbaren Ödems können auch längere Zeiträume liegen.

Beim Lymphödem steht eine Störung des Lymphtransports mit Flüssigkeitsansammlung im Gewebe im Mittelpunkt.

Das Lipödem ist dagegen eine chronische Erkrankung des Fettgewebes, die typischerweise mit Schmerzen und einer disproportionalen Fettgewebsvermehrung an den Extremitäten verbunden ist.

Beide Erkrankungen können ähnlich aussehen, benötigen aber eine unterschiedliche diagnostische Beurteilung und teilweise unterschiedliche Behandlungskonzepte.

Frühzeitig handeln lohnt sich

Ein Lymphödem sollte nicht erst behandelt werden, wenn die Schwellung den Alltag massiv beeinträchtigt.

Je früher Veränderungen erkannt, ärztlich abgeklärt und fachgerecht behandelt werden, desto besser lässt sich das Gewebe schützen und ein Fortschreiten begrenzen.

Eine gute Lymphödemtherapie bedeutet deshalb nicht nur Entstauung. Sie bedeutet, das erreichte Ergebnis dauerhaft in den Alltag zu übertragen.

Und genau dabei kommt einer gut angepassten Kompressionsversorgung eine zentrale Bedeutung zu.

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Symptome, Diagnose und moderne Behandlung im Überblick

Wichtiger medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Therapieempfehlung.

Bei neu auftretenden oder ungeklärten Schwellungen sollten Sie die Ursache ärztlich abklären lassen. Plötzlich auftretende einseitige Schwellungen sowie Rötung, Überwärmung, starke Schmerzen, Atemnot oder Fieber können eine rasche medizinische Abklärung erforderlich machen.

Fachliche Quellen

  • International Society of Lymphology (ISL): The Diagnosis and Treatment of Peripheral Lymphedema – 2023 Consensus Document
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Diagnostik und Therapie der Lymphödeme, Registernummer 058-001; S3-Aktualisierung angemeldet
  • Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst: Informationen zu Symptomen und Therapie des Lymphödems
  • gesund.bund.de / Bundesministerium für Gesundheit: Lymphödem – Symptome, Ursachen, Diagnostik und Behandlung